Veste Otzberg

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Veste Otzberg
Die Veste Otzberg vom Südosten aus aufgenommen

Die Veste Otzberg vom Südosten aus aufgenommen

Alternativname(n): castrum Othesberg
Entstehungszeit: Erstnennung 1231
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten mit Ausnahme der Kaserne/Kemenate
Ständische Stellung: Ministeriale
Ort: Hering
Höhe: 368 m ü. NN
Veste Otzberg
Hessenkarte, Position von Veste Otzberg hervorgehoben

Die Veste Otzberg wurde auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges im Odenwald in 368 m ü. NN errichtet. An dessen Nordhang befindet sich der Ort Hering (Otzberg), der aus der Vorburg, bzw. der Burgmannensiedlung hervorgegangen ist. Die Geschichte von Burg und Ort ist deshalb eng verknüpft.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Gebiet um den Otzberg gehörte vermutlich zu dem Territorium, das König Pippin 766 dem Kloster Fulda zusammen mit Groß-Umstadt schenkte.

Die Veste Otzberg dürfte Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut worden sein. Zu dieser Zeit sicherte der Abt Marquard I. von Fulda den Klosterbesitz und errichtet weithin sichtbare Burgen als Zeichen seines Einflusses.

...Hier ist eine Stelle für eine Burg…[1]

Er übergab die Burg an Konrad den Staufer, den Bruder des Kaisers Friedrich Barbarossa, als Vogt. Der Staufer war Pfalzgraf bei Rhein.

Erstmals wird das castrum Othesberg 1231 in einer Urkunde erwähnt. In dieser Urkunde garantiert der Mainzer Erzbischof Siegfried III., gleichzeitig Verwalter der Abtei Fulda, dem Pfalzgrafen Otto II. die im Jahr zuvor getroffene Abmachung, deren Inhalt nicht bekannt ist.

1244 tauchten erstmals castellanos de odesbrech, Burgmannen der Burg Otzberg auf. Die Verteidigungsanlage muss soweit fertig gestellt worden sein, dass fünf Burgmannen mit samt ihren Knechten die Anlage besetzen konnten.

Anfang des 14. Jahrhunderts gingen dem Kloster Fulda die Mittel aus, deshalb verpfändete der Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg 1332 die Veste Otzberg sowie den fuldischen Anteil von Umstadt für 4600 Pfund Heller an Werner von Anevelt und Engelhard von Frankenstein, die auf der Veste Otzberg Bauten für 200 Pfund ausführen mussten.

Fulda löste das Gut 1374 wieder ein, verpfändete aber noch im gleichen Jahr Otsperg die burg, Heringes die stat darundir sowie die Hälfte von Umstadt für 23.875 Gulden an Ulrich von Hanau, der wiederum 400 Gulden in der Burg verbauen musste.

Im Jahr 1390 verkaufte das Kloster Otzberg und Hering sowie die Hälfte von Umstadt mit der Hanauer Pfandschaft, die mittlerweile auf 33.000 Gulden erhöht worden war, an Pfalzgraf Ruprecht II..

1504 wurde die bayerische Fehde am Otzberg ausgetragen. Im Streit um das Landshuter Erbe wurde von Kaiser Maximilian gegen Pfalzgraf Philipp wegen Landfriedensbruchs die Reichsacht erklärt. Landgraf Willhelm II. von Hessen nahm militärisch die Veste Otzberg ein.

Nach dem Reichstag von Konstanz 1507 holte sich die Kurpfalz das Amt Otzberg zurück und gab den Besitz nicht mehr heraus.

Die Waffentechnik hatte sich geändert, so dass die Veste nicht mehr alleine durch Burgmannen gehalten werden konnte. Ab 1511 wurde ein Zwinger erbaut, der innere Mauerring verstärkt und ein neues Torhaus errichtet.

In der Mitte des 16. Jahrhundert wurde auch um die Vorburg (das Dorf Hering) eine steinerne Stadtmauer erbaut.

Während des Dreißigjährigen Krieges, 1621, quartierten sich ein bayerisches Corps mit 2000 Mann sowie kaiserliche und spanische Truppen im Raum Otzberg-Umstadt ein und belagerten die Veste Otzberg. Ein Jahr später, 1622, kapitulierte die Besatzung der Burg. Die Veste und das Amt Otzberg sowie die Hälfte von Umstadt gingen 1623 wieder an Hessen, das sie als Entschädigung für erlittene Kriegsschäden erhielt.

1647 nahmen die Franzosen die Veste ein. Sie richteten sich auf der Burg ein und bedienten sich an den noch vorhandenen Lebensmitteln.

Mit dem Westfälischen Frieden kam Otzberg wieder an die Pfalz.

Obwohl im französischen Krieg die ganze Pfalz in französischer Hand war, blieben die beiden Ämter Otzberg und Umstadt kurpfälzisch. Damals lagerte auf der Veste Otzberg das Pfälzische Archiv, aus dem die Besitzansprüche für einen Neuanfang nachgewiesen werden konnten.

Mit der Stabilisierung der politischen Verhältnisse hatte die Veste Otzberg ihre militärische Bedeutung für die Pfälzer verloren. Nach und nach wurden ab 1711 aktive Soldaten durch Invaliden ersetzt, so dass die Veste Otzberg sich ab 1720 als reine Invalidengarnison darstellte, die die darin einsitzenden Gefangenen bewachte.

Wer diesen Ring durchbeißt, dem gehört die Veste, so eine Sage
Innenhof Anno 1900

1802 ging das kurpfälzische Oberamt Otzberg an Hessen-Darmstadt über, das es ab 1803 als Staatsgefängnis nutzte.

Im Jahre 1818 wurde die Veste Otzberg als Standort aufgegeben.

Am 25. Juli 1826 erging eine Verfügung des Finanzministeriums in Darmstadt, den Turm der Veste, das Kommandantenhaus mit den kleinen Ställen, die Arztwohnung, den Stall bei der Marketenderei, das Brunnenhaus und die Neue Kaserne (Bandhaus) zu erhalten. Alle anderen Gebäude sollten auf Abriss zu verkauft werden.

1921 wurde das Bandhaus zur Jugendherberge ausgebaut.

In den fünfziger Jahren befand sich eine Forststelle und eine Gaststätte im Kommandantenhaus. Das Kommandantenhaus wurde bis ca. Mitte der sechziger Jahre gemeinsam als Forsthaus und Gaststätte genutzt und danach mit wechselnden Pächtern als Gaststätte weitergeführt.

Ab 1985 zog das Museum Sammlung zur Volkskunde in Hessen in das Bandhaus ein. 1996 wurde das Korporalshauses wieder aufgebaut und wird seitdem als Museumsgebäude und Standesamt der Gemeinde Otzberg genutzt.

Militär

Die Bewohner waren von Anfang an Soldaten; im 14. Jahrhundert lebten dort oben sechs Männer, um 1471 war von 14 Personen die Rede. Spezialisierte Soldtruppen kamen erst im 16. Jahrhundert dazu, zu der Zeit, als das Anwesen zur wehrhaften Festung ausgebaut wurde.

Baubeschreibung

Lageplan der Veste Otzberg

Die Gestalt der Festung wird geprägt durch die im 16. Jahrhundert errichteten doppelten Ringmauern, die eine ovale Form beschreiben, und den Bergfried, der romanischen Ursprungs ist. Der Charakter ist immer noch der einer Festung aus der Zeit nach Einführung der Artillerie, typische Burgeigenschaften wie Turmlandschaften fehlen völlig.

Bergfried

Der Bergfried, im Volksmund auch „weiße Rübe“ genannt, ist das älteste Gebäude der Veste Otzberg. Auf der 17 Meter hohen „weißen Rübe“ kann man an schönen Tagen bis nach Frankfurt am Main und den Taunus schauen, sowie über den ganzen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Brunnen

Der Burgbrunnen von ca. 1320 an der Durchfahrt ist einer der tiefsten Brunnen Hessens. Nach neueren Ausgrabungen wird der Brunnen nur auf circa 50 m Tiefe geschätzt. Daneben steht das 1788 eingebaute Tretrad, das die Wasserförderung damals erheblich erleichterte.

Kommandantenhaus

Das Kommandantenhaus, in dem sich heute die Burgschänke befindet, entstand 1574 zusammen mit mehreren anderen neuen Gebäuden.

Palas

Der Palas beheimatet heute das Museum Otzberg - Sammlung zur Volkskunde in Hessen.

Kaserne/Kemenate

Das Gebäude, früher als Kemenate bezeichnet, wurde in den späteren Jahren als Kaserne genutzt. Wegen der hessischen Abrissverfügung von 1806 wurde die Kaserne als eines der wenigen Gebäude auf der Veste Otzberg, zerstört. Heute sind nur noch ihre Grundmauer zu erkennen.

Korporalshaus

Das Korporalshaus wurde 1996 wieder völlig aufgebaut. Heute dient es als Trauzimmer der Gemeinde Otzberg.

Quellen

  • Axel W. Glue: Otzberg Burg-Festung-Kaserne. Otzberg 2003

Einzelnachweise

  1. Die Gesta Marcuardi, in: Traditiones et Antiquitates Fuldenses, Fulda 1844

Weblinks

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 Commons: Category:Otzberg – Bilder, Videos und Audiodateien

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