Rüsselsheim

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Disambig-dark.svg Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Rüsselsheim; zu dem gleichnamigen Werbespiel der Adam Opel AG siehe Rüsselsheim (Computerspiel).

Rüsselsheim ist die größte Stadt des Kreises Groß-Gerau im Rhein-Main-Gebiet.

Sie ist eine von sieben Sonderstatusstädten in Hessen und liegt am Unterlauf des Main, nur wenige Kilometer vor dessen Mündung in den Rhein bei Mainz-Kostheim. Zur Stadt gehören neben dem Stadtkern die Vororte Königstädten, Haßloch und Bauschheim. Internationale Bekanntheit erlangte Rüsselsheim durch den Automobilhersteller Opel.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Besiedlung

Funde Endpaläolithischer Werkzeuge Ende der 80er Jahre deuten auf eine Besiedlung der Region bereits vor ca. 13.000 Jahren. Grabfunde aus dem 7. Jahrhundert belegen schließlich die Existenz eines fränkischen Dorfes Heim des Rucilin oder Rucilen.

Mittelalter

Erstmals urkundlich erwähnt wird Rucilesheim in einer Bestandsaufnahme königlicher Nutzungsrechte dem sog. Lorcher Reichsurbar (um 840). Eine Änderung der Verhältnisse ist urkundlich erst an der Wende zum Spätmittelalter zu belegen. Von nun an sorgen Schenkungen und Verpachtungen für eine Zersplitterung des Grundbesitzes. Die Geschichte Rüsselsheims seit der 2. Hälfe des 13. Jahrhunderts ist geprägt vom häufigen Wechsel der Besitzrechte und Herrschaftsbefugnisse. Für die hier lebenden Bauern bedeutete dies, dass mehrere Herrschaftsrechte (Grund-, Leib- und Gerichtsherrschaften) nebeneinander existierten und sie damit jeweils unterschiedlichen Herren Untertan waren. In einer verkürzten Darstellung ergeben sich folgende Hoheitsbefugnisse:

Die Grafen von Katzenelnbogen festigten ihre Position in dieser Region durch den Erwerb der Dörfer Seilfurt, Raunheim (1425) und der Vogtei Trebur. Rüsselsheim nimmt gegenüber den umliegenden Dörfern eine im frühen 15. Jahrhundert privilegierte Position ein, da es von den Grafen zu Katzenelnbogen als Amtssitz bestimmt wurde. 1437 erhielten die Grafen von Kaiser Sigmund die Gnade eine schon vor Jahrzehnten begonnene Burg am Main zu vollenden. In diesem Vertrag erhielt Rüsselsheim weitere Rechte wie sie zu dieser zeit für andere Städtlein üblich waren. Da die große Zeit der Städtegründungen aber längst vorbei war, teilte Rüsselsheim das Los mit vielen spätmittelalterlichen Minderstädten|Minderstädte, in denen der bäuerliche Bevölkerungsanteil dominierte und die kaum spezialisiertes Handwerk aufweisen konnten.

Festung

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit ist die geschichtliche Entwicklung der Festung Rüsselsheim sicher bedeutsamer als die des Ortes Rüsselsheim: Sie entwickelte sich aus einer Burg am Main und sollte mehreren Zwecken dienen: Dem Expansionsstreben des Mainzer Erzbischofs und der Bedrohung durch die Taunusritterschaft entgegenwirken, die Verbindungswege zwischen den nicht zusammenhängenden Teilen der Ober- und Niedergrafschaft sichern und durch die Beherrschung von Fluss und Straße lukrative Zolleinnahmen sichern. Letzteres war wohl der Grund, dass die Städte Mainz und Frankfurt am Main 1399 bei König Wenzel gegen die Burg Einspruch erhoben. Im Edikt aus dem Jahr 1437 wird der Weiterbau der Burg zwar genehmigt, die Errichtung einer Zollstätte aber ausdrücklich verboten. Nach dem Aussterben der Grafen zu Katzenelnbogen 1479 fällt die Burg an die erbenden Landgrafen von Hessen.

Neuzeit

Im Zuge der Aufrüstung für den Schmalkaldischen Krieg lässt Philipp der Großmütige die Burg (vermutlich 1530-1540) zu einer quadratischen Festungsanlage ausbauen. Im Dreißigjährigen Krieg galt die Festung als militärisch uneinnehmbar, wechselte jedoch durch vertragliche Reglungen mehrfach den Besitzer. Der Pfälzische Erbfolgekrieg besiegelte das Schicksal der Festung als militärische Anlage: 1688 wurde sie von französischen Truppen eingenommen und ein Jahr später gesprengt. Nach verschiedener Nutzung der Restanlagen beherbergt sie seit 1976 das historische Museum der Stadt.

Das Dorf Rüsselsheim geriet durch den Übergang der Herrschaft an die Landgrafschaft Hessen in eine ungünstige periphere Lage, sodass sich der Ort wenig entwickelte. Kennzeichnend für die Armut ist die Tatsache, dass für den Bau der ersten Pfarrkirche 1514 Holz von der Stadt Frankfurt am Main erbeten werden musste. Im Rahmen der Reformation wurde das Dorf Rüsselsheim durch seine Zugehörigkeit zu Hessen evangelisch. Ende des 16. Jahrhunderts sprechen einige Anzeichen für eine wirtschaftliche Besserung. 1580 wird eine eigene Schule errichtet. Der Dreißigjährige Krieg macht aber die meisten positiven Ansätze wieder zunichte. Rüsselsheim wird mehrfach überfallen und 1635 rafft eine Pestepidemie einen Großteil der Anwohner dahin. Wegen des desolaten finanziellen Zustandes der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt scheitern Pläne Rüsselsheim zu einer Handelsstadt auszubauen. Rüsselsheim bewahrt aber dennoch seine Funktion als regionaler Verwaltungs- und Marktmittelpunkt.

Industrialisierung

In der Zeit der Frühindustrialisierung wird als erster Betrieb 1785 eine sog. Hasenhaarschneiderei genannt. Neben weiteren Betrieben auf diesem Gebiet siedelt sich 1861 ein Kokosmattenbetrieb an. Aus diesem Betrieb entwickelte sich die Stöckische Teppichfabrik die bis nach dem 2. Weltkrieg bestand. Ein sehr altes, und nach der Firma Opel das wichtigste Industrieunternehmen, war die 1819 gegründete Zichorienfabrik. Der Betrieb stellte Kaffeesurrogat aus der Wurzel der Zichorie her. Der Betrieb arbeitete bis 1925. Die Geschichte der Firma beginnt 1862 ganz bescheiden mit einer Werkstatt zum Nähmaschinenbau in einem ehemaligen Kuhstall. Der Firma Opel ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der stetige Aufstieg der Firma Opel brachte entscheidende Veränderungen für den Ort. Das bis dahin eher handwerklich-agrarisch geprägte Dorf vollzog den Wandel zu einer industriellen Landgemeinde und schließlich im 20. Jahrhundert hin zu einer Arbeiterstadt.

20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg und danach herrschten Not und Elend in der Bevölkerung. Entsprechend dem Versailler Vertrag, wurden das Rheinland und angrenzende Gebiete, zu denen auch Rüsselsheim gehörte, von französischen Truppen besetzt. In diesen Verhältnissen machten sich separistische Strömungen breit, die den Anschluss an eine zu gründende Rheinische Republik propagierten. Erst nach der Überwindung der Inflation und der daraufhin florierenden Autoproduktion verbesserte sich die Lage der Bevölkerung. 1928 wurden bei Opel 43.000 Autos von 9.400 Mitarbeitern hergestellt. Viermal soviele Arbeitskräfte wie noch vier Jahre zuvor.

Die Weltwirtschaftskrise und der Zusammenbruch der Weimarer Republik führte auch Rüsselsheim in den düstersten Teil seiner Geschichte. Nach der sogenannten Machtübernahme 1933 etablierten die Nationalsozialisten ein verbrecherische Regime, dem auch in Rüsselsheim viele Menschen zum Opfer fielen. Gegner der NS-Regierung wurden verfolgt und in KZs abtransportiert, 300 gegen Lohnabbau streikende Opelarbeiter wurden 1937 festgenommen. Besonders grauenvoll war das Schicksal der seit dem 17. Jahrhunderts ansässigen Mitbürger jüdischen Glaubens. 1933 lebten 47 Juden in Rüsselsheim, nach der Niederlage 1945 gab es nur noch eine Jüdin am Ort, die überlebte, weil sie in einer sogenannten privilegierten Mischehe lebte. Die anderen wurden erbarmungslos verfolgt, zur Auswanderung gezwungen, in den Selbstmord getrieben oder deportiert und ermordet. Hitler und der 2. Weltkrieg brachten unendliches Leid über die Gemeinde. 1211 Soldaten aus Rüsselsheim wurden getötet oder blieben vermisst. Den Fliegerangriffen der Alliierten fielen 428 Menschen zum Opfer. Darunter 189 Kriegsgefangene, von denen die meisten in Lagern bei Opel umkamen. Von den 3120 Hausgrundstücken wurden im Krieg 473 total zerstört sowie 455 schwer, 1042 mittel und 1150 leicht beschädigt. Nur 2000 Häuser galten nach dem Krieg noch als bewohnbar. Trotz der schweren Schäden in der Stadt und bei den Opelwerken ging der Aufbau zügig voran und 1978 erreichte Rüsselsheim seine höchste Einwohnerzahl von 63.000. Mit dem danach einsetzenden Arbeitsplatzabbau bei Opel ging auch die Einwohnerzahl etwas zurück.

Einwohnerentwicklung

Namensentwicklung

Der Name der Stadt entwickelte sich im Laufe der Zeit:

Eingemeindungen


Geografie

Nachbargemeinden

Rüsselsheim grenzt im Norden an die Städte Hochheim, Flörsheim (beide Main-Taunus-Kreis), im Nordosten an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main und die Stadt Raunheim, im Osten an Kelsterbach und die Stadt Mörfelden-Walldorf, im Süden an die Gemeinden Nauheim und Trebur, sowie im Westen an die Gemeinden Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim (alle fünf im Kreis Groß-Gerau). Rüsselsheim liegt mitten im Rhein-Main-Gebiet mit den großen Nachbarstädten Mainz und Wiesbaden im Westen, Frankfurt am Main im Osten und Darmstadt im Südosten. Keine der großen Städte ist weiter als 30 km entfernt.

Stadtgebiete/Wohnviertel

Neben der Kernstadt existieren folgende Stadtteile:

und folgende Stadtviertel:
Altstadt, Berliner Viertel, Blauer See I+II, Böllensee-Siedlung, Dicker Busch I+II, Friedrich-Ebert-Siedlung, Eichgrund, Hasengrund, Haßloch-Nord, Horlache, Ramsee, Rübgrund, Kolonie, Im Weinfass

Geplante Neubaugebiete

Blauer See II: Die Erweiterung des Baugebietes wird die Lücke zwischen dem Stadtteil Königstädten im Süden, und den im Norden liegenden Büropark Blauer See schließen. Hier wird mit etwa 1.700 Einwohnern gerechnet. Die Erschließung soll nach aktuellen Planungen Ende 2008/Anfang 2009 abgeschlossen sein.

Bauschheim: Im aktuellen Flächennutzungsplan sind weitere Wohnbauflächen im Nordosten des südwestlich gelegenen Stadtteils ausgewiesen. Hier soll bis 2015 Wohnraum für etwa 3.000-4.000 Menschen entstehen.


Politik

Rathaus

Oberbürgermeister

Stadtverordnetenversammlung

Die Rüsselsheimer Stadtverordnetenversammlung besteht aus 45 Mitgliedern. Mit einer knappen Mehrheit von 23 zu 22 Sitzen wurde die rot-grüne Koalition bei der Kommunalwahl am 26. März 2006 bestätigt.

Die Sitze verteilen sich wie folgt:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,0 19 44,2 20
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 32,9 15 33,4 15
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 8,8 4 7,8 4
FDP Freie Demokratische Partei 4,8 2 5,4 2
RÜSSEL Liste Rüssel 5,8 3 6,6 3
Die Linke Die Linke/Liste Solidarität 5,6 2 2,6 1
gesamt 100,0 45 100,0 45
Wahlbeteiligung in % 38,4 48,1

Stadtverordnetenvorsteherin ist seit dem 27. April 2006 Renate Meixner-Römer (SPD). Siegbert Reinig (SPD), der zuvor über 20 Jahre dieses Amt inne hatte, stand nicht mehr zur Wahl und ist nun im ehrenamtlichen Magistrat tätig.

Magistrat

hauptamtlich:

ehrenamtlich:

Wappen

In dem Stadtwappen ist ein silberner Doppelhaken und zwei silberne Sterne auf blauem Grund zu sehen.

Der Doppelhaken wird auch als Wolfsangel bezeichnet. Ob er tatsächlich zum Erlegen von Wölfen verwendet wurde, ist nicht sicher. Manche sehen in dem Doppelhaken auch einen Enterhaken (Mainschifffahrt) oder ein eisernes Bauteil, das feste Mauerteile (Wehrtürme etc.) zu verbinden hatte.

Die beiden Sterne zeigen an, dass Rüsselsheim früher zur Grafschaft Katzenelnbogen gehörte, die diese Sterne ebenfalls im Wappen trug.

Städtepartnerschaften

Seit 1961 ist Rüsselsheim an internationalen Städtepartnerschaften beteiligt. Mit den vier Partnerstädten aus ganz Europa wird ein regelmäßiger Kultur- und Sport-Austausch gepflegt. Unter anderem finden regelmäßig Vergleichs-Wettkämpfe der drei Städte untereinander statt.

Der Versuch, Bodrum (Türkei) aufzunehmen, ist gescheitert. Nach den drei ersten Partnerstädten, Évreux, Rugby und Varkaus sind größere Straßen Rüsselsheims benannt.

Verkehr

Rüsselsheim besitzt einen Bahnhof und bietet eine direkte S-Bahn-Verbindung nach Wiesbaden/Mainz und Frankfurt am Main, bzw. Frankfurt Flughafen.

Die A 60 geht, von Bingen kommend, am Rüsselsheimer Dreieck in die A 67 (Mönchhof - Darmstadt) über. Über die A 671 gelangt man vom Mainspitz-Dreieick nach Wiesbaden.

Wirtschaft

Der Automobilhersteller Opel und die günstige Verkehrslage innerhalb des Großraumes Frankfurt sind Faktoren, warum sich viele global agierende Firmen hier angesiedelt haben. Besonders das Automotive Cluster Rüsselsheim prägt die Wirtschaft der Stadt. Zur Verbesserung der Stadt, deren strukturellen Probleme kaum noch eigenständig gelöst werden können, hat der Magistrat im Jahr 2006 die ökonomische Fachstudie Rüsselsheim 2020 in Auftrag gegeben. Unter Federführung der Professoren Bert Rürup und Reinhard Hujer wurden in Zusammenarbeit mit der Hessen Agentur Leitlinien für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt bis zum Jahre 2020 entwickelt. Die Studie liegt inzwischen vor und wird unter Leitung der städtischen Wirtschaftsförderung umgesetzt.[1]

Der innerstädtische Busverkehr, die Versorgung mit Gas und Wasser werden durch die Stadtwerke Rüsselsheim erbracht.

Vertreter der Wirtschaft

In Rüsselsheim wird die Wirtschaft u.a. durch den 1888 gegründeten Gewerbeverein Rüsselsheim e.V. und durch das 2007 gegründete Unternehmen Rüsselsheim e.V. vertreten. Die Wirtschaft der Stadt entsendet sechs Vertreter in die IHK-Vollversammlung Darmstadt Rhein Main Neckar.

Wirtschaftsförderung

Die Stadt Rüsselsheim legt besonderen Wert auf die Förderung der örtlichen Wirtschaft. Der Wirtschaftsservice Rüsselsheim, eine gemeinsame Dienstleistung der städtischen Wirtschaftsförderung und der Stadtentwicklungsgesellschaft, bietet Unternehmen, die bereits in Rüsselsheim ansässig sind oder eine Niederlassung in Rüsselsheim eröffnen möchten, vielfältige Unterstützung und Beratung. Dennoch existieren seit etwa 8 Jahren enorme Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung, bis vor knapp einem Jahr gab es auch keinerlei übergreifende Gesamtkonzepte, welche dann bei externen Wirtschaftsprofessoren der Universitäten Darmstadt und Frankfurt am Main eingekauft wurden (Rürup-Studie). Ein entscheidender Impuls kam im Sommer 2007 von einer renommierten Projektentwicklungsgesellschaft; diese eröffnete ihre Pläne für die kommerzielle Erschließung des sog. Opel-Altareales. Der Oberbürgermeister behandelt gegenwärtig das Projekt mit höchster Priorität, so dass die Relevanz der Rürup-Studie inzwischen wieder relativiert ist. Ein überwiegende Anteil der Stadtverordneten und Stadtentwicklungsexperten sehen das Projekt Opel-Altareal als die große - und wohl auch letzte - Chance für eine bessere Zukunft der von Transformationsproblemen gebeutelten Alt-Industriestadt Rüsselsheim an. Als weiterer Baustein des Gesamtkonzepts ist Rüsselsheim Mitbegründer des Automotiv Clusters Rhein Main Neckar.

Automotive Cluster Rüsselsheim

Rüsselsheim war und ist die Stadt des Automobils. Tradition und Moderne verbinden sich in Rüsselsheim zu einem einmaligen Automotive Cluster Rüsselsheim:

Opel

Bekannt wurde Rüsselsheim vor allem durch den Automobilhersteller Opel. Der Gründer Adam Opel begann als Schlosserlehrling und kehrte nach einer mehrjährigen Lehr-Wanderschaft schließlich nach Rüsselsheim zurück und gründete 1862 eine Nähmaschinen-Manufaktur im Stall seines Onkels. Das Wissen hierzu hatte er unter anderem bei einem namhaften Nähmaschinen-Hersteller in Paris erworben. Später, durch seine Söhne auf dieses Produkt gebracht, wurden ab 1886 auch Fahrräder hergestellt. Zeitweise war Opel der größte Fahrradhersteller der Welt. Nicht zuletzt durch die 5 Söhne Adam Opels, die allesamt extrem erfolgreiche Rad-Sportler waren, erlangten die Fahrräder Opels einen hervorragenden Ruf. Nachdem Adam Opel 1895 infolge einer auf einer Geschäftsreise eingefangenen Typhus-Infektion starb, übernahmen seine Frau Sophie und seine Söhne die Firma. 1898 wurden dann die ersten Autos gebaut. Interessant zu wissen ist, dass Adam Opel die Autos damals als stinkende Kutschen abgetan hat und hier eine ähnliche Abneigung wie zunächst auch gegenüber den Fahrrädern hatte (hier setzten sich zu seinen Lebzeiten noch die Söhne durch). Am Standort Rüsselsheim beschäftigt Opel knapp 18.500 Menschen, darunter etwa 7.000 Menschen im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITEZ) (Stand: Januar 2008).

Die besondere Beziehung Rüsselsheims zum Opel-Werk

War Rüsselsheim noch bis in die 1970er hinein eine reiche Stadt mit üppigen, durch Opel sprudelnden Finanzquellen, war es dem an die Ölkrise folgenden Schrumpfen der Automobilfertigung gnadenlos ausgeliefert und bekam massive Probleme mit einer bis heute ansteigenden Verschuldung. Eine einst großzügige Infrastruktur, die in Spitzenzeiten für bis zu 120.000 Einwohner geplant wurde, muss heute von rund 60.000 Einwohnern unter weitaus ungünstigeren Bedingungen als zur Wirtschaftswunderzeit aufrecht erhalten werden.

Anfang der 90er Jahre erlebte die Stadt noch einmal den Glanz alter Tage: Nachdem die neuen Bundesländer hinzukamen und Opel-Fahrzeuge dort reißenden Absatz fanden, klingelten bis ’93/’94 die Kassen des Stadtkämmerers (1991 konnte dort die Rekordeinnahme von 254 Mio. DM verbucht werden!), was durch viele Baustellen in der Stadt sichtbar wurde. So wurden etwa das Hallen- und Freibad „An der Lache“ mit Millionenaufwand zu einem Erlebnisbad ausgebaut und das Rathaus um verschiedene Trakte und Plenarsaal erweitert. Leider versäumte die Stadt Mitte der 90-er Jahre die Ausgaben, die gleichermaßen sprunghaft angestiegen waren, wie die plötzlichen Rekordeinnahmen aus der Gewerbesteuer den dann wieder stark sinkenden Einnahmen anzugleichen. Die Folge war eine stark ansteigende Verschuldung und die Konsequenz der Absegnungspflicht des jährlichen Haushalts durch den Regierungspräsidenten. Die erfolgreichen Sparbemühungen der Stadtverwaltung geben jedoch Grund zur Hoffnung, innerhalb absehbarer Zeit wieder einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können.

Frühe Versuche, sich mit der Ausweisung des Gewerbegebiets „Im Hasengrund“ (EDS, Delphi, Invenio, GMAC-Bank etc.) in den späten 70er Jahren der Fesseln der Monostruktur zu entledigen, gingen nicht auf. Allerdings ist der prozentuale Einfluss der Adam-Opel-GmbH heute schon deutlich niedriger als früher: Waren 1978 unter den insgesamt 50.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen 42.000 Opelaner, so sind es heute nur noch 18.500 Opelaner von insgesamt 35.000 Arbeitsplätzen. Dies zeigt, dass neue Unternehmensansiedlungen einen beträchtlichen Teil der 23.500 abgebauten Opel-Arbeitsplätze ausgleichen konnten. Wenngleich die Stadt zwar insgesamt 15.000 Arbeitsplätze im Vergleich zu 1978 verloren hat, zeigt dies, dass die Monostruktur zumindest aufgeweicht wurde.

Die Hoffnungen liegen nun auf dem neuen Gewerbepark „Blauer See“: Ausschließlich für Büroansiedlungen und sonstige nicht flächenfressende Unternehmensformen ausgewiesen, rechnet man hier mit etwa 5.000–7.000 hochqualifizierten Arbeitsplätzen im High-Tech-Bereich.

Weitere ansässige Unternehmen

EDS - Electronic Data Systems

Die deutsche Zentrale des amerikanischen EDV-Dienstleisters und Outsourcing-Unternehmens EDS befindet sich in Rüsselsheim. Hier arbeiten derzeit 1.700 Menschen. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Vodafone werden einige Teile der Niederlassung allerdings nach Düsseldorf verlegt.

Hyundai/KIA

Die europäische Design-Zentrale des koreanischen Automobilherstellers Hyundai/KIA wurde 2003 eingeweiht und 2006/2007 erheblich erweitert. Nachdem man ursprünglich mit rund 350 Mitarbeitern plante, wurde der Platz aufgrund der raschen Expansion schneller knapp als gedacht: In den erweiterten Räumlichkeiten sollen künftig etwa 700 Menschen arbeiten.

Medien

Es existieren zwei Tageszeitungen. Das Rüsselsheimer Echo und die Main-Spitze.

Beide sind allerdings schon seit Jahren im Besitz auswärtiger größerer Zeitungsverlage. Beide unterhalten in Rüsselsheim lediglich kleine Lokalredaktionen und betten die dort verfassten Lokalberichte aus Rüsselsheim und Umgebung in eine Mantelzeitung ein, die vom Lokalteil abgesehen völlig identisch mit der Mutterausgabe des jeweiligen Verlags ist.

Hierbei gehört das Rüsselsheimer Echo zur Gruppe Medienhaus Südhessen, die Main-Spitze zur Verlagsgruppe Rhein-Main.

Hinzu kommen MotorCity Rüsselsheim sowie ein kommunales Radio, Radio Rüsselsheim, welches im Stadtgebiet unter UKW 90,9 zu empfangen ist.

Öffentliche Einrichtungen

Kultur

Im Jahre 1980 wurde vom Oberbürgermeister Dr. Storsberg ein Gedächtnisweinberg an der Frankfurter Straße zum Gedenken an die Ersterwähnung der Rebsorte Riesling 1435 in einem Weinberg südlich der Burg mit einer Neuanpflanzung durch den Rheingauer Weinbauverband eingeweiht. Ein Mitglied der Rüsselsheinmer Winzerfreunden, das Weingut Künstler kultiviert dort bis heute Rüsselsheimer Riesling. Der historische Eintrag befindet sich in den Regesten der Grafen von Katzenelnbogen, einer mehr als 6000 Urkunden umfassenden Sammlung des Wiesbadener Staatsarchivars Karl E. Demandt, der sie in 20-jähriger Archivarbeit übersetzte und ordnete.

Das Stadttheater Rüsselsheim bietet im großen Saal 865 Sitzplätze auf Parkett und Rang. Das Programm des Theaters beinhaltet die Sparten Schauspiel, Konzert, Oper, Operette, Musical, Ballett und Tanz. Als Theater ohne eigenes Ensemble ist es ein reines Gastspielhaus. Architektonisch fällt es durch seine zwei Ellipsen auf, die sich im oberen Drittel schneiden. Es ist ein markantes Gebäude, welches das Stadtbild nicht unerheblich prägt.

Das 1979 mit dem Museumspreis des Europarates als Modell-Museum ausgezeichnete und aufgrund der Ausstellungskonzeption, die erstmals Technik-, Industrie- und Sozialgeschichte verband, als „gegenwärtig eines der bedeutendsten und einflussreichsten Museen Europas“ bezeichnete Museum Rüsselsheim informiert insbesondere über die Entwicklung von Arbeitstechniken und Arbeitsverhältnissen von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart.

Eine weitere kulturelle Wirkungsstätte ist das Rüsselsheimer Kulturzentrum. Besser bekannt unter dem Namen Das Rind. Neben dem gastronomischen Teil gibt es dort Partys (Abschuss oder Loveland) und auch Konzertveranstaltungen, wie die bekannte Jazzcafé Reihe im Rahmen der Jazz-Fabrik Rüsselsheim.

Opelvillen

Die restaurierten Opelvillen am Mainufer der Firmengründer, eine geglückte Verbindung von Denkmalschutz und moderner Architektur, bieten Raum für Ausstellungen (vor allem Malerei und Fotografie) und Veranstaltungen. Hier ist heute die Stiftung Opelvillen beheimatet. Das erklärte Ziel der Stiftung ist es, die Darstellung der Gegenwartskunst, welche im Zentrum der Ausstellungstätigkeit stehen soll.

Gesundheit und Pflege

GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim gGmbH

Das GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim ist eine am 1. Januar 2004 gegründete gemeinnützige GmbH mit dem Ziel einer umfassenden und sektorenübergreifenden Versorgung. Als wichtigste Gesellschaftsbereiche sind zu nennen:

Bildungs- und Betreungseinrichtungen

Kitas

Die Kindertagesstätten Stadt Rüsselsheim bietet Betreuung für Kinder und Jugendliche an. Für die Jüngsten stehen 20 städtische Kindertagesstätten zur Verfügung. Die Erziehenden können dabei wählen, ob sie ihr Kind nur vormittags, vormittags mit Mittagessen oder ganztags betreuen lassen möchten. Sechs konfessionelle oder freie Kitas runden das Angebot in Rüsselsheim ab.

Betreuungschulen

Die Stadt Rüsselsheim ist Schulträger. An allen Rüsselsheimer Grundschulen gibt es die Möglichkeit, Kinder vor oder nach dem Unterricht zu betreuen.

Schulen

Für Bildung von Kindern und Jugendlichen stehen 19 Schulen mit allen Schulabschlüssen und verschiedensten Betreuungsformen in Rüsselsheim zur Verfügung. Die Stadt selbst ist Schulträger für 17 Schulen, zwei weitere Schulen vor Ort sind in Trägerschaft des Kreises Groß-Gerau. Die Werner-Heisenberg-Schule vereinigt Berufliche Bildung, Berufliche Weiterbildung, Fachoberschule (Fachhochschulzugang) und Berufliches Gymnasium unter einem Dach.

Um den Schülerinnen und Schülern möglichst gute Chancen für ihre Zukunft zu bieten, befindet sich die Stadt Rüsselsheim mit dem Land Hessen, dem Schulträger Kreis Groß-Gerau und der Stadt Kelsterbach im Pilotversuch „Schule gemeinsam verbessern“. Ziele des 2002 gestarteten Projektes sind die Steigerung der Qualität schulischer Leistungen und die Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen.

Außerdem ist Rüsselsheim bereits 2001 der Medieninitiative Schule@Zukunft beigetreten und stellt mit dem Projekt „Öffnung von Schule“ Kontakte zwischen Schulen sowie außerschulischen Kooperationspartnern her.

FH Wiesbaden

Datei:FH Rüsselsheim.jpg
FH Wiesbaden, Standort Rüsselsheim

Die FH Wiesbaden hat in Rüsselsheim einen ihrer Standorte. Hier sind im Fachbereich Ingenieurswissenschaften überwiegend technische Studiengänge der FH Wiesbaden angesiedelt.

Studienbereiche:

Freizeit- und Sportanlagen

Sport


Persönlichkeiten

Ehrenbürger

[2]

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die in Rüsselsheim gewirkt haben

Galerie

Literatur

Einzelnachweise

  1. "Rüsselsheim 2020"
  2. Kunstaktion Leuchtende Vorbilder

Weblinks

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 Commons: Rüsselsheim – Bilder, Videos und Audiodateien

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