Kellerwald
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Der Kellerwald ist ein bis 675 m ü. NN hohes Mittelgebirge in Hessen, Deutschland. Er liegt im westlichen Zentrum des Westhessischen Berg- und Senkenlands an dessen Nahtstelle zu den Ausläufern des Rothaargebirges und ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges.
Der Kellerwald verfügt über eines der größten unzerteilten Buchen</b>waldgebiete Deutschlands und enthält mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee den einzigen Nationalpark von Hessen und liegt im Naturpark Kellerwald-Edersee.
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Geographische Lage
Der Kellerwald erstreckt sich im mittleren Teil von Nordhessen im Landkreis Waldeck-Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis. Unmittelbar nördlich schließen sich Edersee und Affolderner See an, nach Nordosten fällt das Gelände des Kellerwalds in das Edertal ab, in Richtung Osten und Südosten in das Tal des Flusses Schwalm. Im Südosten und Süden geht es in die Landschaft Schwalm über. Im Südwesten geht das Mittelgebirge über das Tal der Wohra in den Burgwald über und im Westen befindet sich jenseits der Eder die Breite Struth.
Der Kellerwald ist untergliedert in die Ederhöhen, eine Bergregion unmittelbar südlich des Edersees, deren Gebiet sich etwa mit dem eingangs erwähnten Nationalpark Kellerwald-Edersee deckt, das Wildunger Bergland, welches den mittleren Teil des Kellerwalds umfasst, den sich südwestlich anschließenden Mittelkellerwald um das Hohe Lohr (657 m) und die Große Aschkoppe (640 m), sowie den Hohen Kellerwald im Süden des Gebirges, zu dem der Jeust (585 m) und der Bergkamm Keller (auch Hoher Keller genannt) mit seinen Gipfeln Wüstegarten (675 m), Hunsrück (636 m) und Sauklippe (584 m) gehören.
Am Nordrand des Kellerwalds bzw. am Südufer des Edersees liegt der Wildpark Edersee mit der Greifvogelstation „Greifenwarte Wildpark Edersee“ und dem Buchenwald-Informationszentrum „Fagutop“.
Geschichte
Geologie
Geologisch gehört der vorwiegend aus paläozoischen Gesteinen aufgebaute Kellerwald zum Rheinischen Schiefergebirge. Landschaftlich wird er als gesonderte Einheit jedoch auch zur Hessischen Senke gezählt, weil die Flüsse Eder und Itter eine geographische Grenze bilden. Wichtige Gesteinsarten sind die „Kellerwald-Quarzite“, Kieselschiefer, Tonschiefer, Grauwacke und Diabas. Eine regionale Besonderheit ist der dunkelrote Kellerwalder Achat, ein Eisenkiesel.
Namensursprung
Der Name des Naturraumes leitet sich von dem im südlichen Teil des Kellerwalds gelegenen, oben erwähnten Bergkamms Keller ab. Der Ursprung dieses Namens wird auf zwei verschiedene Weisen gedeutet: Ab etwa 1600 wurde der Wald intensiv durch die Köhlerei zur Gewinnung von Holzkohle genutzt, welche die zahlreichen Eisen- und Kupferwerke für ihre Schmelzöfen als Brennstoff benötigten. So entstand der Name „Köhlerwald“ oder mundartlich „Köllerwald“. Eine weitere Deutung bezieht sich auf den durch die intensive Nutzung stark gelichteten Wald = „Kahler Wald“. Aus „Köllerwald“ bzw. „Kahler Wald“ soll durch Lautverschiebung der Name „Kellerwald“ entstanden sein.
Besiedlungsgeschichte
Dass im Kellerwald schon seit langer Zeit gesiedelt und die Berglandschaft auf die ein oder andere Weise von Menschen aufgesucht wird, ist neben zahlreichen alten Ortschaften, vielen Hügelgräbern, ein paar Ringwällen (siehe etwa Wüstegarten) und der Ruine der Quernstkirche unter anderem an Burgen, Burgruinen und Überresten solcher Ruinen zu erkennen. Dazu gehören die Burg Hessenstein, die Ruine Keseburg, die Burgruine Schönstein und die Burgruine Löwenstein.
Naturschutz-Status
Der Kellerwald unterliegt einem unterschiedlichem Naturschutz-Status. Nahezu sein gesamter Naturraum gehört zum Naturpark Kellerwald-Edersee. Der nördliche Teil in der Größe von 5.724 Hektar ist seit 1. Januar 2004 als Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgewiesen.
Außerdem ist ein großer Bereich Teil des europäischen Netzes „Natura 2000“ (FFH-Gebiet und Europäisches Vogelschutzgebiet) sowie in Teilen Bannwald. Weitere FFH-Gebiete sind unter anderen die Eichentrockenwälder an den nördlichen Ederseesteilhängen und der obig erwähnte Keller im südlichen Teil des Naturparks sowie die Urff als lineares FFH-Gebiet von der Quelle bis zur Mündung in die Schwalm. Kleinräumig bestehen zudem mehrere Natur- und Landschaftsschutzgebiete. In erster Linie betrifft der Naturschutz dabei den Kellerwald als einen der letzten unzerschnittenen mitteleuropäischen Laubwälder von internationalem Rang. Der vorherrschende Waldtyp wird als bodensaurer Hainsimsen-Buchenwald bezeichnet.
2005 wurde der Naturpark Kellerwald-Edersee vom Bundesamt für Naturschutz in das Programm „Naturschutzgroßprojekt von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ aufgenommen.
Flora und Fauna
Flora
Seit dem 19. Jahrhundert ist der nördliche Teil des Kellerwalds, der seit 2004 als Nationalpark Kellerwald-Edersee ausgewiesen ist, als Jagdrevier der waldeckischen Fürsten von einem Gatter umgeben. Hier haben sich besonders ursprüngliche Buchenwälder erhalten, die jedoch durch hohe Wilddichten auch erheblich geschädigt wurden. Über 30 Prozent der Bäume sind älter als 140 Jahre. Die Jagd und nicht die forstliche Holznutzung stand im Vordergrund. Hauptbaumart ist die Buche, die hier auf bodensauerem Standort (Tonschiefer, Grauwacke, Quarzit) vorwiegend im Hainsimsen-Buchenwald vorkommt. Erwähnenswert sind die vielen Sonderstandorte an den Ederseesteilhängen. Hier gibt es letzte Urwaldreste und knorrige Traubeneichenwälder mit Astloser Graslilie und den größten hessischen Vorkommen der Pfingstnelke.
Auf den Drischen der Hochlagen wachsen Arnika und Heidenelke, in den Wiesen der Tallagen Breitblättriges Knabenkraut und Männliches Knabenkraut. In der Nähe der „Jägersburg“ bei Odershausen kommen einige seltene Süntelbuchen vor. In kühl-feuchten Bachtälern wächst der seltene, stark giftige Blaue Eisenhut. In lichten Eichen- und Buchwäldern auf kalkhaltigem Untergrund kommt die Türkenbundlilie vor. An einigen Stellen finden sich große Bestände des seltenen Märzenbechers.
Fauna
Im Kellerwald, der in Teilen auch Europäisches Vogelschutzgebiet ist, brüten unter anderen noch oder wieder Schwarzstorch, Kolkrabe, sechs Spechtarten ( darunter der seltene Mittelspecht und als Charakterart der Buchenwälder der Grauspecht), Schwarzmilan und Rotmilan (der hier seine höchste Siedlungsdichte in Hessen erreicht), Wanderfalke, Raufußkauz, Wespenbussard, Uhu und Raubwürger.
Eine charakteristische Tierart des Kellerwalds ist der Rothirsch. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee kommen noch Damwild und Muffelwild vor. Daneben sind auch Rehwild und Wildschwein häufig. Die Wildkatze ist selten. Im Nationalparkgebiet wurden 1934 die ersten Waschbären ausgesetzt, deren Heimat Nordamerika ist; seither haben sie sich weit über die Grenzen des Kellerwalds hinaus verbreitet. Fuchs, Dachs, Baum- und Steinmarder sowie Iltis und Hermelin kommen vor. Von den 19 in Hessen lebenden Fledermaus</b>arten wurden bisher 15 nachgewiesen. Ein weiteres Charaktertier des Kellerwaldes ist der Feuersalamander, der hier zu Tausenden vorkommt. Weitere typische Amphibien</b>arten sind Fadenmolch und Geburtshelferkröte. Im Nationalpark wurden bisher fast 1.000 Käfer</b>arten aus über 80 Familien nachgewiesen.
Wandern
Durch den Kellerwald führen zahlreiche Wanderwege, darunter der Kellerwaldsteig, ein etwa 156 km langer Rundwanderweg, der die Berge und Orte vom Naturpark Kellerwald-Edersee und Nationalpark Kellerwald-Edersee miteinander verbindet. Außerdem existiert seit 2005 der Urwaldsteig Edersee, der auf etwa 68 km Länge rund um den Edersee führt, wobei er durch die Trockeneichenwälder am nördlichen Ufer und durch den südlich des Sees gelegenen Nationalpark Kellerwald-Edersee verläuft.
Berge und Höhenlage
Der niedrigste Punkt des Kellerwalds befindet sich am Rand des Eder</b>tals beim Ortsrand von Affoldern unweit bzw. unterhalb der Staustufe des Affolderner Sees auf 194 m ü. NN; dem entgegen liegt die höchste Stelle mit 675 m ü. NN auf dem Wüstegarten:
Zu den bekanntesten, nicht aber unbedingt zu den höchsten Bergen des Kellerwalds, des ihn umgebenden Naturparks Kellerwald-Edersee und des in ihm liegenden Nationalpark Kellerwald-Edersee gehören (inkl. der „Sechshunderter“ nach Höhe in Meter über Normalnull sortiert):
- Wüstegarten (675 m) − mit Kellerwaldturm
- Hohes Lohr (657 m) − mit Fernsehturm
- Große Aschkoppe (640 m)
- Hunsrück (636 m) − Ausläufer des Wüstegarten
- Traddelkopf (626 m)
- Winterberg (617 m) − Ausläufer d. Gr. Aschkoppe
- Auenberg (611 m)
- Kl. Aschkoppe (607 m) − Ausläufer d. Gr. Aschkoppe
- Ahornkopf (604 m) − Ausläufer d. Traddelkopfs
- Dicker Kopf (604 m)
- Jeust (585 m)
- Talgang (566 m)
- Quernst (ca. 545 m) – mit Ruine „Quernstkirche“ (bei 535 m), „Quernstkapelle“ und Aussichtsturm
- Ermerod / Peterskopf (ca. 540 m / 507 m) − mit Oberbecken der Pumpspeicherwerke Waldeck
- Homberg (518 m) − mit Aussichtsturm
Für eine Liste mit diesen und weiteren Bergen im Kellerwald siehe hier.
Gewässer
Am Nordwest- und Nordrand des Kellerwalds fließt die Eder, welche zum Edersee – dem größten See in Hessen – und wenige Kilometer weiter flussabwärts zum Affolderner See aufgestaut ist. Die übrigen Flüsse und Bäche des Kellerwaldgebiets gehören größtenteils zum Einzugsgebiet der Eder und damit zu dem der Weser, so z. B. Wesebach, Wilde und die Schwalm-Zuflüsse Gilsa und Urff. Eine Ausnahme bildet die im Westen des Kellerwalds entspringende und nach Süden abfließende Wohra, welche zum Einzugsgebiet des Rheins zählt.
Weblinks
- Offizielle Seite der Edersee Touristic GmbH
- Nationalpark Kellerwald-Edersee
- Zweckverband Naturpark Kellerwald-Edersee
- [[[:Vorlage:GeoPfad]] Luftbild des Kellerwaldes mit Grenzen der wichtigsten Erhebungen] / Placemarks (Google Earth erforderlich)
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Koordinaten: 51° 08′ N, 9° 02′ O